Wohnbefund
Bautagebuch aus einem Einfamilienhaus, Baujahr 1982. Was gemessen ist und was gerechnet, steht jeweils dabei.
Stand: Oktober 2026
Tagebuch / Kühlen / Eintrag 15

Kühlen mit der Fußbodenheizung: der Taupunkt entscheidet, nicht die Vorlauftemperatur

Kurz

  • Nass wird der Boden nicht ab einer bestimmten Vorlauftemperatur, sondern sobald die Oberfläche unter den Taupunkt der Raumluft fällt. Der Taupunkt hängt an der Luftfeuchte, und die ändert sich stündlich.
  • Bei 26 Grad und 60 Prozent liegt der Taupunkt bei 17,6 Grad. Bei denselben 26 Grad und 70 Prozent schon bei 20,1 Grad. Zehn Prozentpunkte Luftfeuchte verschieben die Grenze um zweieinhalb Grad.
  • Deshalb regelt kein Thermostat das sicher, sondern nur ein Taupunktwächter, der die Feuchte misst und abschaltet. Wo der Punkt bei Ihren Werten liegt, rechnet der Taupunkt-Rechner aus.
  • Und die zweite Nachricht: viel kommt dabei nicht heraus. Fußbodenkühlung schafft ungefähr 20 bis 40 Watt je Quadratmeter. Das ist Grundkühlung, keine Klimaanlage.

Angenommen, im Erdgeschoss liegt eine Fußbodenheizung an einer Wärmepumpe, die auch kühlen kann: Wohnzimmer, Küche, Flur, Bad. Im Sommer lässt sich dann kühleres Wasser durch den Boden schicken, und die Räume werden etwas angenehmer. Das ist eine Zugabe, kein Ersatz für eine Klimaanlage. Offen bleibt, wann man die Kühlung besser ausgeschaltet lässt. In meinem Haus liegt weder eine Fußbodenheizung noch eine Wärmepumpe. Alles auf dieser Seite ist deshalb gerechnet, nicht gemessen.

Im Netz steht dazu alles und das Gegenteil davon. In einem Forum schrieb jemand, unter 18 Grad Vorlauf gehe gar nichts, im nächsten fuhr einer seit Jahren mit 16 Grad ohne Probleme. Beide hatten recht. Die Zahl, um die es geht, steht in keinem der beiden Beiträge.

Die Taupunkt-Tabelle für die Tür des Technikraums

Raumtemperatur in der Zeile, Luftfeuchte in der Spalte, im Feld der Taupunkt. Zum Ausdrucken. Den Link schicke ich per Mail, danach kommt einmal die Woche ein Eintrag aus dem Haus.

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Was tatsächlich passiert

Luft kann nur eine begrenzte Menge Wasser tragen, und je kühler sie ist, desto weniger. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der sie voll ist. Trifft warme, feuchte Raumluft auf eine Fläche, die kälter ist als dieser Punkt, gibt sie Wasser ab. Nicht langsam, nicht ein bisschen — sofort, als Film auf dem Boden. Beim Bierglas im Garten sieht man dasselbe und findet es normal.

Die Vorlauftemperatur ist deshalb die falsche Stellschraube. Sie sagt nur, wie kalt das Wasser im Rohr ist. Entscheidend ist, wie kalt die Oberfläche darüber wird und wie feucht die Luft darauf gerade ist. Und die Luftfeuchte macht in einem Haushalt, was sie will: duschen, kochen, Wäsche aufhängen, ein Gewitter draußen.

Gerechnet17,6 °CTaupunkt bei 26 °C / 60 %
20,1 °Cbei 26 °C / 70 %

Dieselbe Raumtemperatur, nur feuchtere Luft — und die Grenze wandert um zweieinhalb Grad nach oben. Ein Fußboden, der gestern noch trocken blieb, kann heute nach dem Wäscheaufhängen beschlagen.

Die Tabelle für die Tür des Technikraums

Ich habe die Werte selbst durchgerechnet, weil ich sie nirgends zusammen gefunden habe. Ablesen: Zeile ist die gemessene Raumtemperatur, Spalte die relative Luftfeuchte, im Feld steht der Taupunkt. Die Oberfläche des Bodens sollte mindestens zwei Grad darüber bleiben.

Raum50 %55 %60 %65 %70 %
22 °C11,112,513,915,116,3
24 °C12,914,415,817,018,2
26 °C14,816,317,618,920,1
28 °C16,618,119,520,822,0

Taupunkt in °C, gerechnet nach der Magnus-Formel (Sonntag-Koeffizienten, 17,62 / 243,12 °C). Die Regel „mindestens zwei Grad Abstand" und die untere Grenze von 18 °C Vorlauf stammen aus der Auslegungspraxis nach DIN EN 1264 und DIN EN ISO 11855; die obere Feuchtegrenze von 65 % aus DIN 1946.

Zwei Zeilen fallen auf. Bei 22 Grad im Raum und trockener Luft könnte man theoretisch bis auf 13 Grad herunter — nur will bei 22 Grad niemand kühlen. Und bei 28 Grad und 70 Prozent liegt der Taupunkt bei 22 Grad: an so einem Tag darf die Fläche kaum kälter sein als der Raum selbst. Genau dann, wenn man die Kühlung am dringendsten hätte, kann sie am wenigsten.

Was beim ersten Einschalten naheliegt

Naheliegend ist, das Kühlen einfach einzuschalten und die Wassertemperatur herunterzudrehen, ohne vorher zu rechnen. Die Frage, wie kalt so ein Boden überhaupt werden darf, kommt meist erst danach. Mit der Hand über den Boden zu fahren zeigt nur, ob gerade eine feuchte Stelle da ist. Wann eine entstehen würde, sagt erst der Taupunkt.

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein einfaches digitales Thermo-Hygrometer im Wohnzimmer, auf 1,20 Meter Höhe und außerhalb der Sonne, zeigt an einem schwülen Nachmittag 28 Grad bei 68 Prozent. Der Taupunkt liegt dafür bei 21,5 Grad. Der Boden dürfte an diesem Nachmittag also nicht unter 23,5 Grad fallen, und gekühlt hätte das so gut wie nichts. Dass so ein Gerät selbst danebenliegen kann und was fünf Prozentpunkte Anzeigefehler am Taupunkt ausmachen, steht in Eintrag 26. Bis zu welcher Luftfeuchte 18 Grad Vorlauf bei vier Raumtemperaturen gehen, steht in Eintrag 28.

Der Taupunktwächter

Die Lösung ist kein Trick, sondern ein Bauteil. Ein Taupunktwächter sitzt am Vorlaufrohr, misst dort die relative Feuchte an der kalten Oberfläche und schaltet die Kühlung ab, sobald sie gegen 95 Prozent geht. Er kostet einen Bruchteil der Anlage, und ohne ihn läuft die Flächenkühlung auf Verdacht.

Angenommen, er fehlt. Dann weiß die Anlage nicht, wie feucht die Luft im Wohnzimmer gerade ist, und kann den Taupunkt gar nicht kennen. Wer so kühlt, muss vor dem Einschalten selbst auf Temperatur und Feuchte schauen, an schwülen Tagen zweimal statt einmal. Das ist keine Regelung, das ist Aufpassen. Was so ein Gerät misst und warum die Prozentzahl allein nicht reicht, steht in Eintrag 23.

Und wie viel bringt es dann?

Eine Fußbodenfläche gibt im Kühlbetrieb ungefähr 20 bis 40 Watt je Quadratmeter ab. Zum Vergleich: eine gekühlte Decke schafft 60 bis 90 Watt, weil kalte Luft nach unten fällt und die Fläche deshalb besser arbeitet. Beim Boden ist es umgekehrt — die kühle Luft bleibt liegen, wo sie entsteht.

Gemessen habe ich das nicht, in meinem Haus liegt keine Fußbodenheizung. Mit dem Schlag, den eine Klimaanlage macht, hat es nach diesen Werten nichts zu tun. Was dabei herauskommt, ist ein Raum, der nicht weiter aufheizt, aber auch nicht kalt wird. Wer nach zwei Stunden 22 Grad erwartet, wird enttäuscht sein; wer abends eine Wohnung sucht, in der es nicht drückt, bekommt sie eher.

FlächeKühlleistungTaupunktwächter nötig
Fußboden20–40 W/m²ja
Decke60–90 W/m²ja
Wandca. 65 W/m²ja

Fußboden und Decke aus der Auslegungspraxis für Flächenkühlung. Der Wandwert steht in Tabelle 1 des BDH-Informationsblatts 77 „Wand- und Deckenheizung/-kühlung, Teil 1“: rund 65 W/m² bei 26 °C Raumtemperatur, Oberfläche nicht unter 16 °C.

Die Taupunkt-Tabelle als Blatt

Die Tabelle oben, erweitert auf 20 bis 30 Grad und 40 bis 80 Prozent, auf einer Seite zum Ausdrucken für die Tür des Technikraums. Kommt mit dem ersten Tagebucheintrag.

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Was ich nicht sagen kann: ob sich eine Fußbodenheizung mit Kühlfunktion lohnt, wenn der Estrich dafür erst aufgestemmt werden muss. Diese Rechnung habe ich nicht gemacht.

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