Hauswende
Bautagebuch aus einem Einfamilienhaus, Baujahr 1982. Alles gemessen, nichts geschätzt.
Stand: August 2026
Tagebuch / Kühlen / Eintrag 15

Kühlen mit der Fußbodenheizung: der Taupunkt entscheidet, nicht die Vorlauftemperatur

Kurz

  • Nass wird der Boden nicht ab einer bestimmten Vorlauftemperatur, sondern sobald die Oberfläche unter den Taupunkt der Raumluft fällt. Der Taupunkt hängt an der Luftfeuchte, und die ändert sich stündlich.
  • Bei 26 Grad und 60 Prozent liegt der Taupunkt bei 17,6 Grad. Bei denselben 26 Grad und 70 Prozent schon bei 20,1 Grad. Zehn Prozentpunkte Luftfeuchte verschieben die Grenze um zweieinhalb Grad.
  • Deshalb regelt kein Thermostat das sicher, sondern nur ein Taupunktwächter, der die Feuchte misst und abschaltet.
  • Und die zweite Nachricht: viel kommt dabei nicht heraus. Fußbodenkühlung schafft ungefähr 20 bis 40 Watt je Quadratmeter. Das ist Grundkühlung, keine Klimaanlage.

Die Fußbodenheizung liegt seit drei Jahren im Erdgeschoss: Wohnzimmer, Küche, Flur, Bad. Als der Monteur fertig war, sagte er, über die Wärmepumpe lasse sich im Sommer auch kühleres Wasser in den Boden schicken, dann werde es in den Räumen etwas angenehmer. Er sagte es als Zugabe, nicht als Ersatz für eine Klimaanlage — damit lag er richtiger, als mir damals klar war. Ein Wort darüber, wann man das besser lässt, fiel nicht.

Im Netz stand dann alles und das Gegenteil davon. In einem Forum schrieb jemand, unter 18 Grad Vorlauf gehe gar nichts, im nächsten fuhr einer seit Jahren mit 16 Grad ohne Probleme. Beide hatten recht, und genau das ist das Problem: die Zahl, um die es geht, steht in keinem der beiden Beiträge.

Was tatsächlich passiert

Luft kann nur eine begrenzte Menge Wasser tragen, und je kühler sie ist, desto weniger. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der sie voll ist. Trifft warme, feuchte Raumluft auf eine Fläche, die kälter ist als dieser Punkt, gibt sie Wasser ab. Nicht langsam, nicht ein bisschen — sofort, als Film auf dem Boden. Beim Bierglas im Garten sieht man dasselbe und findet es normal.

Die Vorlauftemperatur ist deshalb die falsche Stellschraube. Sie sagt nur, wie kalt das Wasser im Rohr ist. Entscheidend ist, wie kalt die Oberfläche darüber wird und wie feucht die Luft darauf gerade ist. Und die Luftfeuchte macht in einem Haushalt, was sie will: duschen, kochen, Wäsche aufhängen, ein Gewitter draußen.

Gerechnet17,6 °CTaupunkt bei 26 °C / 60 %
20,1 °Cbei 26 °C / 70 %

Dieselbe Raumtemperatur, nur feuchtere Luft — und die Grenze wandert um zweieinhalb Grad nach oben. Ein Fußboden, der gestern noch trocken blieb, kann heute nach dem Wäscheaufhängen beschlagen.

Die Tabelle, die ich mir an die Tür geklebt habe

Ich habe die Werte selbst durchgerechnet, weil ich sie nirgends zusammen gefunden habe. Ablesen: Zeile ist die gemessene Raumtemperatur, Spalte die relative Luftfeuchte, im Feld steht der Taupunkt. Die Oberfläche des Bodens sollte mindestens zwei Grad darüber bleiben.

Raum50 %55 %60 %65 %70 %
22 °C11,112,513,915,116,3
24 °C12,914,415,817,018,2
26 °C14,816,317,618,920,1
28 °C16,618,119,520,822,0

Taupunkt in °C, gerechnet nach der Magnus-Formel (Sonntag-Koeffizienten, 17,62 / 243,12 °C). Die Regel „mindestens zwei Grad Abstand" und die untere Grenze von 18 °C Vorlauf stammen aus der Auslegungspraxis nach DIN EN 1264 und DIN EN ISO 11855; die obere Feuchtegrenze von 65 % aus DIN 1946.

Zwei Zeilen fallen auf. Bei 22 Grad im Raum und trockener Luft könnte man theoretisch bis auf 13 Grad herunter — nur will bei 22 Grad niemand kühlen. Und bei 28 Grad und 70 Prozent liegt der Taupunkt bei 22 Grad: an so einem Tag darf die Fläche kaum kälter sein als der Raum selbst. Genau dann, wenn man die Kühlung am dringendsten hätte, kann sie am wenigsten.

Was ich vorher probiert habe

Beim ersten Mal habe ich das Kühlen einfach eingeschaltet und die Wassertemperatur heruntergedreht. Blind. Die Frage, wie kalt so ein Boden überhaupt werden darf, kam mir erst danach. Ich bin ein paarmal in die Hocke gegangen und mit der Hand über den Boden gefahren, ob irgendwo eine feuchte Stelle ist. Es war keine da. Aber beim Suchen nach der Antwort, wann eine entstehen würde, bin ich auf den Taupunkt gestoßen.

Gemessen habe ich mit dem, was ohnehin im Regal stand: ein einfaches digitales Thermo-Hygrometer von Xiaomi, rund zehn Euro, im Wohnzimmer auf 1,20 Meter Höhe und außerhalb der Sonne. Der schlechteste Wert dieses Sommers waren 28 Grad bei 68 Prozent. Der Taupunkt liegt dafür bei 21,5 Grad. Der Boden hätte an diesem Nachmittag also nicht unter 23,5 Grad gedurft — und gekühlt hätte das so gut wie nichts.

Foto folgtDas Thermo-Hygrometer im Regal, Anzeige mit 28 Grad und 68 Prozent.
Zwölf Euro. Die beiden Zahlen, aus denen sich alles Weitere ergibt.

Der Taupunktwächter

Die Lösung ist kein Trick, sondern ein Bauteil. Ein Taupunktwächter misst Temperatur und Feuchte direkt am Rohr oder an der kältesten Stelle im Raum, rechnet den Taupunkt laufend aus und schaltet die Kühlung ab, bevor der Abstand aufgebraucht ist. Er kostet einen Bruchteil der Anlage, und ohne ihn läuft die Flächenkühlung auf Verdacht.

Ich habe keinen. Das ist der unangenehmste Satz in diesem Eintrag. Meine Anlage weiß nicht, wie feucht die Luft im Wohnzimmer gerade ist, und kann den Taupunkt deshalb gar nicht kennen. Ich schaue vor dem Einschalten selbst auf Temperatur und Feuchte, an schwülen Tagen zweimal statt einmal. Das ist keine Regelung, das ist Aufpassen. Nachrüsten steht auf der Liste; was es kostet, schreibe ich hier hin, sobald ich ein Angebot habe.

Und wie viel bringt es dann?

Eine Fußbodenfläche gibt im Kühlbetrieb ungefähr 20 bis 40 Watt je Quadratmeter ab. Zum Vergleich: eine gekühlte Decke schafft 60 bis 90 Watt, weil kalte Luft nach unten fällt und die Fläche deshalb besser arbeitet. Beim Boden ist es umgekehrt — die kühle Luft bleibt liegen, wo sie entsteht.

Bei einem meiner Versuche ist das Wohnzimmer in sieben Stunden von 27,5 auf 25,8 Grad gegangen. 1,7 Grad. Zu spüren war es vor allem von unten, an den Füßen; der Raum fühlte sich am Nachmittag anders an als sonst. Mit dem Schlag, den eine Klimaanlage macht, hat das nichts zu tun. Was dabei herauskommt, ist ein Raum, der nicht weiter aufheizt. Nicht ein Raum, der kalt wird. Wer nach zwei Stunden 22 Grad erwartet, wird enttäuscht sein; wer abends eine Wohnung sucht, in der es nicht drückt, bekommt sie.

FlächeKühlleistungTaupunktwächter nötig
Fußboden20–40 W/m²ja
Decke60–90 W/m²ja
Wandnicht geprüftja

Leistungsangaben aus der Auslegungspraxis für Flächenkühlung; Werte für Wandflächen habe ich nicht belastbar gefunden.

Die Taupunkt-Tabelle als Blatt

Die Tabelle oben, erweitert auf 20 bis 30 Grad und 40 bis 80 Prozent, auf einer Seite zum Ausdrucken für die Tür des Technikraums. Kommt mit dem ersten Tagebucheintrag.

Bitte E-Mail und Häkchen ausfüllen.

Was ich nicht sagen kann: ob sich das Nachrüsten in einem Haus lohnt, in dem die Fußbodenheizung noch nicht liegt. Bei mir lag sie schon, und das ist eine andere Rechnung als aufstemmen.

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