Beschlagene Fenster innen: ab welcher Luftfeuchte die Scheibe nass wird
Kurz
- Die Scheibe beschlägt, wenn ihre Innenseite kälter ist als der Taupunkt der Raumluft. Wie kalt sie wird, hängt am U-Wert der Verglasung.
- Bei 20 °C innen und −5 °C außen beschlägt unbeschichtetes Isolierglas in der Mitte ab etwa 56 Prozent Raumfeuchte, Zweifach-Wärmeschutzglas erst ab etwa 77 Prozent. Eigene Rechnung.
- Der Rand der Scheibe und der Rahmen sind kälter als die Mitte. Dort fängt es früher an, das habe ich nicht gerechnet.
Warum die Scheibe nass wird
Es ist derselbe Vorgang wie an der Außenwand in Eintrag 46, nur auf Glas. Die Verbraucherzentrale beschreibt es so: „Kühlt warme Luft an Fenstern … ab“, steigt ihre relative Feuchte, und bei 100 Prozent ist „vor allem auf glatten Oberflächen Kondenswasser sichtbar“. Auf der Tapete sieht man 80 Prozent nicht, auf der Scheibe sieht man 100 Prozent sofort.
Wie kalt die Innenseite wird, habe ich mit dem U-Wert der Verglasung und dem inneren Wärmeübergangswiderstand von 0,13 m²K/W gerechnet: Oberflächentemperatur = 20 − 0,13 × U × (20 − Außentemperatur). Die U-Werte stammen von Baunetz Wissen: Einfachglas rund 5,5, Isolierglas ohne Beschichtung etwa 2,8, Zweifach-Wärmeschutzglas 1,7 bis 1,3, Dreifachglas 0,8 bis 0,5 W/m²K.
Die Liste, die ich mir nach vier Angeboten geschrieben habe
Zeile für Zeile, was in einem Wärmepumpen-Angebot stehen muss, damit sich zwei Angebote überhaupt vergleichen lassen. Den Link schicke ich per Mail, danach kommt einmal die Woche ein Eintrag aus dem Haus.
Ab wie viel Prozent welche Scheibe beschlägt
20 °C im Raum. In jeder Zelle steht zuerst die Temperatur der Scheibe innen in der Mitte, dann die Raumfeuchte, ab der dort Wasser ausfällt. Taupunkt nach der Magnus-Formel, wie im Taupunkt-Rechner.
| Verglasung (U) | 0 °C außen | −5 °C außen | −10 °C außen |
|---|---|---|---|
| Einfachglas (5,5) | 5,7 °C · 39 % | 2,1 °C · 31 % | −1,5 °C · 24 % |
| Isolierglas unbeschichtet (2,8) | 12,7 °C · 63 % | 10,9 °C · 56 % | 9,1 °C · 49 % |
| Zweifach-Wärmeschutzglas (1,3) | 16,6 °C · 81 % | 15,8 °C · 77 % | 14,9 °C · 73 % |
| Dreifachglas (0,6) | 18,4 °C · 91 % | 18,1 °C · 89 % | 17,7 °C · 86 % |
Eigene Rechnung, nur Scheibenmitte, ohne Rand und Rahmen. Magnus-Formel mit Sonntag-Koeffizienten, Rsi = 0,13 m²K/W. Beim Wärmeschutzglas habe ich das bessere Ende der Spanne genommen, bei 1,7 beginnt es bei −5 °C schon ab etwa 71 Prozent.
Bei unbeschichtetem Isolierglas liegt die Grenze an einem kalten Tag also mitten in dem Bereich, den das Umweltbundesamt als normal angibt (40 bis 60 Prozent). Bei modernem Glas beschlägt die Mitte erst, wenn die Luft deutlich zu feucht ist. Baunetz Wissen schreibt dazu, die Oberfläche moderner Isolierverglasungen entspreche „etwa der der Raumtemperatur“, Kondensat innen sei deshalb selten.
Was das für die Wände heißt
Die Verbraucherzentrale rät, über 50 Prozent zu lüften, „spätestens aber dann, wenn die Fensterscheiben von innen beschlagen“. Bei alten Fenstern kommt dieses Zeichen früh. Bei Wärmeschutzglas kommt es so spät, dass eine kalte Außenecke nach der Tabelle in Eintrag 46 längst über 80 Prozent liegen kann. Eine trockene Scheibe sagt dann wenig über die Wand. Ob die Ecke kritisch ist, zeigen erst Raumfeuchte und Wandtemperatur zusammen.
Was hilft
Morgens im Schlafzimmer sind die Scheiben am ehesten nass. Das Umweltbundesamt rechnet mit etwa einem Viertelliter Wasser pro Person und Nacht, und es empfiehlt, das Schlafzimmer morgens fünf bis zehn Minuten bei weit offenem Fenster zu lüften. Kippfenster kühlen die Laibung aus, dann wird es dort nass statt auf dem Glas. Mehr dazu in Eintrag 45. Das Wasser auf der Fensterbank würde ich abwischen, bevor es in Rahmen und Dichtung zieht.
Die Taupunkt-Tabelle als Blatt
20 bis 30 Grad, 40 bis 80 Prozent, auf einer Seite zum Ausdrucken. Kommt mit dem ersten Tagebucheintrag.
Was ich nicht klären konnte
Wie viel kälter der Glasrand am Abstandhalter ist, habe ich in keiner frei zugänglichen Quelle als Zahl gefunden. Deshalb fehlt er in der Tabelle, und am Rand beschlägt es früher als dort angegeben. Welche Verglasung in meinem Haus von 1982 sitzt, habe ich noch nicht nachgesehen.
Quellen, abgerufen am 02.10.2026: Baunetz Wissen, Fenster (U-Werte); Baunetz Wissen, Kondensatbildung; Baunetz Wissen, Wärmeübergangswiderstand; Verbraucherzentrale, Heizen und Lüften (Stand 16.09.2026); UBA, Wie lüfte ich richtig? (Stand 13.12.2024); UBA-Schimmelleitfaden (2017, aktualisiert April 2024).