Süd oder West: welches Fenster im Sommer wirklich das Problem ist
Kurz
- Die Südsonne steht mittags hoch. Ein Dachüberstand, ein Balkon oder eine feste Markise nehmen ihr viel weg, ohne dass sich etwas bewegen muss.
- Die Westsonne steht am späten Nachmittag flach und kommt fast waagerecht ins Fenster. Verschattung von oben hilft dort kaum; es muss etwas vor die Scheibe.
- Dazu der Zeitpunkt: Westsonne trifft ein Haus, das schon den ganzen Tag geheizt wurde. Mein schlimmster Raum ist deshalb kein Südzimmer, sondern ein Dachfenster nach Südwesten — obwohl mein eigener Rechner Süd höher gewichtet. Warum beides stimmen kann, steht weiter unten.
Ich habe lange gedacht, Süden sei die schlechte Seite. Es klingt einleuchtend: dort steht die Sonne am längsten. In meinem Haus stimmt es nicht. Das Zimmer, in dem im Sommer nichts mehr geht, hat ein Dachfenster nach Südwesten, und das Wohnzimmer nach Süden bleibt an denselben Tagen erträglich.
Das Blatt zum g-Wert
Die Zeile im Datenblatt, die ich vor dem Kauf des Plissees nicht gelesen habe, und wie aus g und F_c wird, was im Raum ankommt. Den Link schicke ich per Mail, danach kommt einmal die Woche ein Eintrag aus dem Haus.
Nicht die Fläche entscheidet, sondern der Winkel
Mittags steht die Sonne im Süden hoch. Sie trifft ein senkrechtes Fenster deshalb schräg von oben, und alles, was über dem Fenster vorsteht, wirft einen Schatten auf die Scheibe: Dachüberstand, Balkonplatte, Vordach, feste Markise. Ein Südfenster lässt sich mit etwas verschatten, das sich nie bewegt und nie kaputtgeht.
Am späten Nachmittag steht dieselbe Sonne im Westen und deutlich tiefer. Sie kommt fast waagerecht auf die Scheibe zu, und der Dachüberstand über dem Fenster steht dann nicht mehr im Weg — er liegt über der Sonne statt vor ihr. Deswegen ist ein Westfenster mit fester Verschattung kaum zu retten: was helfen soll, muss vor dem Glas hängen und heruntergefahren werden können.
Und der Zeitpunkt kommt dazu
Die Mittagssonne trifft ein Haus, das die Nacht über abgekühlt ist und die Wärme noch wegsteckt. Die Nachmittagssonne trifft dasselbe Haus nach sechs Stunden Aufheizen. Dieselbe Energie landet auf einem Bauteil, das schon warm ist, und sie landet zu der Stunde, zu der man abends anfängt, sich im Zimmer aufzuhalten. Das ist der Grund, warum West- und Südwestfenster in der Praxis unangenehmer sind als ihre Fläche vermuten lässt.
Das Dachfenster ist der Sonderfall
Ein geneigtes Fenster liegt nicht senkrecht, sondern schaut in den Himmel. Es bekommt die hohe Mittagssonne fast frontal ab und die flache Abendsonne trotzdem noch — es hat also von beidem etwas. Vorstehende Bauteile gibt es dort meistens gar nicht. Genau an so einem Fenster habe ich innen 0,8 Grad gemessen und außen 2,7, nachzulesen in Eintrag 09. Wenn Sie ein Dachfenster nach Westen oder Südwesten haben, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Raum, an dem Sie anfangen sollten.
Was daraus für die Auswahl folgt
Süd: feste Verschattung von oben ist eine echte Option, und sie ist die einzige, die nicht bedient werden muss. West und Südwest: es muss etwas Bewegliches vor die Scheibe, sonst passiert wenig. Ost verhält sich wie West, nur morgens — dieselbe flache Sonne, aber auf ein Haus, das noch kalt ist, weshalb es seltener stört. Welches Produkt an welches Fenster überhaupt montierbar ist, hängt am Bestand und nicht an der Himmelsrichtung; dazu steht die Sortierung in Eintrag 17.
Was der Rechner dazu sagt — und was nicht
Der Hitzeschutz-Rechner sagt etwas anderes als dieser Eintrag, und das gehört hierhin. Er rechnet Süd mit dem Faktor 1,0, West mit 0,9, Ost mit 0,75 und Nord mit 0,35 — nach ihm ist das Südfenster also das schlechtere. Ein Widerspruch ist es trotzdem nicht: der Rechner schätzt nur, wie viel Energie über den Tag auf die Scheibe fällt, und über den ganzen Tag bekommt Süd mehr ab. Er weiß nichts davon, zu welcher Stunde sie ankommt und ob sich das Fenster mit etwas Festem verschatten lässt. Genau das sind die beiden Punkte, um die es oben geht. Für die Neigung steht 1,35 gegen 1,0 — das Dachfenster ist auch im Rechner der schlechtere Fall. Alle diese Faktoren sind meine Annahmen, keine Messreihe; woher die Zahlen kommen und welche ich nicht belegen kann, steht in Eintrag 21.
Was ich nicht sagen kann
Wie viel ein Baum oder das Haus gegenüber Ihnen abnimmt. Bei mir steht nichts davor, und deshalb habe ich dazu keine einzige Messung. Nordfenster habe ich ebenfalls nicht geprüft — dort war bei mir nie ein Problem, was aber nichts über Ihr Haus sagt.
Das Blatt zum g-Wert
g, Fc und gtot auf einer Übersicht, mit den vier Fc-Werten, für die ich eine Quelle nennen kann. Am selben Fenster habe ich innen 0,8 Grad gemessen und außen 2,7. Kommt mit dem ersten Tagebucheintrag.