Wohnbefund
Bautagebuch aus einem Einfamilienhaus, Baujahr 1982. Was gemessen ist und was gerechnet, steht jeweils dabei.
Stand: Oktober 2026
Tagebuch / Heizung / Eintrag 51

Baufeuchte nach Estrich und Putz: wann Lüften trocknet und wann nicht

Kurz

  • Frischer Estrich, Beton und Putz enthalten nach dem Umweltbundesamt „oft noch große Mengen Wasser“. In einem massiv gebauten Einfamilienhaus sind es mehrere Tausend Liter, und bis alles durchgetrocknet ist, können einige Jahre vergehen.
  • Ein Zementestrich mit 45 Millimetern braucht nach einem Merkblatt von Baumit bei 20 °C und 65 Prozent Luftfeuchte mindestens 28 Tage, bis der Bodenbelag drauf darf. Ob er so weit ist, zeigt erst eine CM-Messung.
  • Bei 0 °C draußen tragen 100 Kubikmeter getauschte Luft je Stunde rund 17,6 Liter Wasser am Tag hinaus. Bei 20 °C und 60 Prozent sind es 2,1 Liter, und schwüle Luft bringt Wasser herein. Eigene Rechnung mit der Magnus-Formel.

Wie viel Wasser in Estrich und Putz steckt

Im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts hat die Baufeuchte ein eigenes Kapitel. In ein massiv errichtetes Einfamilienhaus mit gemauerten Wänden, Zementputz und Decken aus Beton würden „mehrere Tausend Liter Wasser“ eingebaut. Ein Teil davon müsse über Trocknung und längerfristige intensive Lüftung nach außen. Das gilt nach dem Leitfaden auch für umfangreiche Sanierungen.

Früher, schreibt der Leitfaden, standen Rohbauten über den Winter zum Trocknen, die Häuser waren undicht und offene Feuerstellen tauschten viel Luft. Heute wird schneller gebaut und eingezogen, und mit Zentralheizung sei die Trocknung in luftdichten Häusern „deutlich schwieriger und zeitintensiver“. Wer einzieht, solange Wände und Böden noch feucht sind, soll „unbedingt eine längerfristige intensive Lüftung“ sicherstellen. Stärkeres Heizen könne helfen.

Die Liste, die ich mir nach vier Angeboten geschrieben habe

Zeile für Zeile, was in einem Wärmepumpen-Angebot stehen muss, damit sich zwei Angebote überhaupt vergleichen lassen. Den Link schicke ich per Mail, danach kommt einmal die Woche ein Eintrag aus dem Haus.

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Wann ein Estrich belegreif ist

Feste Zeiten nennt das Umweltbundesamt nicht. Ein Merkblatt des Herstellers Baumit (Schweiz, Stand 2010) gibt für Zementestrich mit 45 Millimetern bei 20 °C und 65 Prozent Luftfeuchte mindestens 28 Tage bis zur Verlegereife an. Dann darf er höchstens 2,0 CM-Prozent Restfeuchte haben, mit Fußbodenheizung 1,8. Für Anhydritestrich stehen dort 0,5 und 0,3 CM-Prozent, für eine 20 Zentimeter dicke Betondecke etwa 180 Tage.

Mit Fußbodenheizung kommt das Funktionsheizen dazu, frühestens 21 Tage nach einem normalen Zementestrich. Drei Tage läuft die Heizung mit 25 °C Vorlauf, dann vier Tage mit der höchsten Auslegungstemperatur, in der Regel bis 45 °C. Wer bei der Sanierung eine neue Fußbodenheizung in Estrich legen lässt, muss diese Woche einplanen.

Die 28 Tage gelten nur für das genannte Raumklima. In einer Fußnote steht, dass die Trocknung „bei hoher relativer Luftfeuchte unter Umständen ganz zum Stillstand“ kommt. Zum Beschleunigen nennt es die Fußbodenheizung, „hohe Luftwechselraten oder das mechanische Trocknen“. Ob der Boden so weit ist, zeigt nach dem Merkblatt am sichersten ein CM-Gerät. Laut dem Kommentar zur DIN 18365, den es zitiert, gehört die erste Messung als Nebenleistung zum Auftrag des Bodenlegers.

Wie viel Wasser Lüften hinausträgt

Lüften trocknet nur, wenn in einem Kubikmeter Außenluft weniger Wasser steckt als drinnen. Die Tabelle rechnet mit dem Raumklima aus dem Merkblatt, 20 °C und 65 Prozent, das sind 11,2 Gramm je Kubikmeter. 100 Kubikmeter je Stunde sind in einer Wohnung mit 100 Quadratmetern und 2,5 Meter Raumhöhe ein Luftwechsel von 0,4 je Stunde.

AußenWasser je m³Weniger als innenLiter am Tag je 100 m³/h
−5 °C, 85 %2,9 g8,3 g19,9
0 °C, 80 %3,9 g7,3 g17,6
5 °C, 80 %5,4 g5,8 g13,9
10 °C, 80 %7,5 g3,7 g8,9
15 °C, 70 %9,0 g2,2 g5,4
20 °C, 60 %10,3 g0,9 g2,1
20 °C, 70 %12,1 g0,9 g mehr2,1 herein

Eigene Rechnung mit der Magnus-Formel. Innen 20 °C und 65 % (11,2 g/m³), angenommen, Estrich und Wände halten die Innenluft durch ihr Wasser auf diesem Wert. 100 m³ Luft je Stunde, 24 Stunden lang getauscht.

Bei 10 Grad draußen und kälter trägt jeder getauschte Kubikmeter spürbar Wasser hinaus. An einem milden Tag mit 15 Grad ist es weniger als ein Drittel dessen, was bei 0 Grad hinausgeht. Bei 20 Grad und 70 Prozent bringt die Luft mehr Wasser herein, als sie mitnimmt. Für solche Tage nennt das Merkblatt das Heizen und die mechanische Trocknung. Dieselbe Rechnung für Wäsche steht in Eintrag 48, für den kühlen Keller in Eintrag 50. Mit eigenen Werten rechnet der Lüften-Rechner.

Zu viel Lüften schadet dem Estrich auch

Der Leitfaden warnt in beide Richtungen. Beim Estrichlegen müsse „eine definierte Lüftung erfolgen. Bei zu starker Lüftung kann es zu Fehlern bei der Estrichtrocknung kommen, bei zu geringer Lüftung besteht die Gefahr von Schimmelbefall.“ Welche Fehler gemeint sind, steht dort nicht. Im Protokoll zum Funktionsheizen verlangt das Baumit-Merkblatt, die Räume „zugfrei“ zu belüften.

Eine häufige Ursache für Schimmel in Neubauten sei, Innenputz und Estrich erst nach dem Einbau der Fenster einzubringen und die Feuchte danach nicht ausreichend hinauszulüften. Befallen würden dann oft Gipsplatten im Trockenbau und Holzbauteile im Dach. Zwischenwände und Vorsatzschalen auf noch feuchten Estrich zu setzen, nennt der Leitfaden „unsachgemäß“, weil die Materialien die Feuchte aufnehmen und schlecht wieder abgeben. Was neue, dichte Fenster für das Lüften bedeuten, steht in Eintrag 49.

Die Taupunkt-Tabelle als Blatt

20 bis 30 Grad, 40 bis 80 Prozent, auf einer Seite zum Ausdrucken. Kommt mit dem ersten Tagebucheintrag.

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Was ich nicht klären konnte

Die Tabelle rechnet nur mit der Luft. Wie schnell ein Estrich sein Wasser an die Raumluft abgibt, hängt an Dicke, Material und Temperatur. Das habe ich weder gerechnet noch gemessen. Die Zeiten von Baumit stammen aus einem Schweizer Merkblatt von 2010, andere Hersteller nennen für ihre Estriche eigene Werte. Ab welcher Luftfeuchte die Trocknung stillsteht, sagt das Merkblatt nicht. Die mehreren Tausend Liter gelten im Leitfaden für ein ganzes massives Einfamilienhaus, nicht für einen einzelnen Raum.

Quellen, abgerufen am 07.10.2026: UBA-Schimmelleitfaden (2017, aktualisiert April 2024; S. 61, 70 und 71); Baumit, Technische Zusatzinformation „Belegreife Baumit Estriche“ (Stand 01-04/10).

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